Nordkorea – Kriegsgefahr oder nur absichtsvolles Getöse?

Sind Kim Jong-Un und Donald Trump verrückt oder krank? Der eine verfolgt unerbittlich seinen Weg zu einer eigenständigen Atommacht Nordkorea, die auch einen Schlag auf amerikanischem Territorium ausführen kann. Der andere droht unverhohlen mit einem atomaren Erstschlag, der die nordkoreanische Führung pulverisieren wird. Wenn man das glaubt, muss man damit rechnen, dass einer von beiden die Nerven verliert und sich von seiner Großmannssucht zu einem hirnrissigen Verhalten hinreissen lässt.

Dies ist aber ausgesprochen unwahrscheinlich, da in Wirklichkeit beide rationale Ziele verfolgen. Verfolgt man die südkoreanische oder japanische Presse in dieser Sache, stellt sich die Lage anders dar als in der Tagesschau. Dort wird durchaus gesehen, dass Kim Jong-Un ein konkretes Ziel zu erreichen versucht mit allerdings riskantem Einsatz. Er möchte „von gleich zu gleich auf Augenhöhe“ mit den Amerikanern verhandeln. Über einen gegenseitigen Nichtangriffspakt. Aus seiner Sicht geht das nur, wenn er etwas anbieten kann: den Verzicht auf einen Atomwaffeneinsatz gegen die USA. Bisher sahen die Amerikaner keinen Grund, mit ihm in direkte Verhandlungen zu treten.

Wer also hat Interesse daran, die Spannung in der Region hochzuhalten? Kim Jong-Un, weil er durch Hinweis auf den äußeren Feind die Folgschaft seiner Bevölkerung aufrechterhalten kann? Ja.
Donald Trump, weil er jederzeit die angstmachende „Schreipuppe“ Kim Jong-Un aus dem Schrank holen kann, damit er z.B. Japan und Südkorea zu ernormen Käufen von amerikanischer Militärausrüstung bewegen kann? Ja. Wenig Interesse an dieser konfliktreichen Situation haben Russland und China. Deshalb werden sie auch weder die Sanktionen gegen Nordkorea sehr scharf stellen noch für den Verzicht auf diplomatische Lösungen eintreten.

Die von den Amerikanern geforderte Schließung der deutschen Botschaft in Pjöngjang und der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea (25 Länder der Welt haben noch solche) würde zur Entspannung in dieser Sache überhaupt nichts beitragen.

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